150 Jahre Standesämter in Preußen


Rechtzeitig zum 1. Oktober 2024 hat es das Team der Brandenburg Datenbank geschafft, die wesentlichen Daten zur Struktur der Standesämter in dem heutigen Brandenburg und in der ehemaligen Neumark von der Einführung 1874 bis heute, bzw. für die Neumark 1874 bis 1945, in der Datenbank zu erfassen. Erinnern wir uns:

Mit dem „Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung“ vom 9. März 1874, das zum 1. Oktober 1874 in Kraft trat, wurde im Königreich Preußen das moderne Personenstandsrecht begründet.

Vor der Einführung der Standesämter wurden Geburten, Eheschließungen und Todesfälle in Preußen von verschiedenen religiösen Institutionen und lokalen Behörden registriert. Dies führte zu Inkonsistenzen und rechtlichen Unsicherheiten. Die Einführung von staatlichen Standesämtern sollte diese Probleme lösen, indem nach § 1 des Gesetzes die Beurkundungen ausschließlich den vom Staat bestellten Standesbeamten übertragen wurden.

Den Anstoß zu der Erfassung in der Datenbank gaben Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA) im Jahr 2021 1 . Das BLHA hatte „Hilfsmittel zur Verwaltungsgeschichte“ in fünf Anlagen (Dateien) bereitgestellt, die dem Familienforscher über den Zeitraum von heute bis 1932 die Zugehörigkeit der Landgemeinden / Gemeinden zu den jeweiligen Standesamtsbezirken aufzeigte.

Die Erfassung der Daten erfolgte von Januar 2022 bis Dezember 2022. Dabei wurden die Ortsdaten in das Geschichtliche Ortsverzeichnis 2 des Vereins für Computergenealogie eingetragen. Diese werden über einen Webservice in die Brandenburg-Datenbank eingefügt.

Es lag nahe, die Lücke zwischen 1874 und 1932 zu schließen. Dazu wurden die Veröffentlichungen in den Amtsblättern von 1874 der preußischen Regierungspräsidien von Potsdam, Frankfurt (Oder) und, für die nach 1990 zu Brandenburg gehörenden Kreise Liebenwerda und Schweinitz (ab 1950 Herzberg), des Regierungspräsidiums Merseburg herangezogen.

Im einzelnen wurden in den 15 Kreisen des Regierungsbezirks Potsdam 587 Standesamtsbezirke in 147 Tagen zwischen Februar 2023 und Juli 2023 erfasst. Für den Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) und seinen 18 Kreisen wurden 621 Standesamtsbezirke in 154 Tagen zwischen Ende Juli und Ende Dezember 2023 bearbeitet. Die beiden o.g. Kreise aus der ehemaligen Provinz Sachsen enthielten 51 Standesamtsbezirke, die in 22 Tagen bearbeitet wurden.

Besonders der Kreis Schweinitz war arbeitsintensiv, weil es in Folgejahren nach 1874 noch viele Veränderungen gab. Es war sehr vorteilhaft, dass Verlinkungen von Digitalisaten der Amtsblätter in der Brandenburg-Datenbank bis ca. 1900 unter „Literatur“ zu finden sind. Das ersparte viele Archivbesuche.


1 Personenstandswesen und Personenstandsunterlagen in Brandenburg seit 1874 – Ein verwaltungsgeschichtlicher Abriss in den Personenstandsunterlagen
2 https://gov-dev.genealogy.net/