{"id":1850,"date":"2022-09-22T15:31:38","date_gmt":"2022-09-22T14:31:38","guid":{"rendered":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1850"},"modified":"2022-09-22T15:31:38","modified_gmt":"2022-09-22T14:31:38","slug":"aus-der-vergangenheit-kutzdorfs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1850","title":{"rendered":"Aus der Vergangenheit Kutzdorfs"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Der Name des Dorfes war ehemals wendischen Ursprungs. Es hie\u00df Fr\u00fcher: \u201eSottstorp\u201c, d.h. Strohbudendorf. Sp\u00e4ter ist daraus \u201e Gutstorp\u201c entstanden und dann erst wurde der Name des Ortes in Kutzdorf umgewandelt. Die Lage des Dorfes ist sehr g\u00fcnstig und wurde schon in damaliger Zeit von den Wenden f\u00fcr durchaus geeignet erkannt. Im Norden und Osten wird es von der Mietzel eingeschlossen und im S\u00fcden und S\u00fcdosten von H\u00f6hen umgrenzt. Bei einem feindlichen Angriff konnte es sehr gut verteidigt werden. An der Mietzel entlang erstrecken sich sumpfige W\u00e4lder, welche f\u00fcr Ortsfremde schwer zu Passieren waren. Die Flurnamen \u201eSchulzenbruch\u201c und \u201eSchneiderbruch\u201c, jetzt fruchtbares Ackerland, hatte auch den Namen danach. Das Schulzenbruch geh\u00f6rte sp\u00e4ter dem Ortsschulzen und der Name des Schneiderbruchs wird auf folgende Weise erkl\u00e4rt; In der Schlacht bei Zornsdorf soll sich ein Schneider in diesem sumpfigen Gel\u00e4nde versteckt haben.<br \/>\nDie mit Erlen und Weiden bestandenen S\u00fcmpfe bildeten f\u00fcr die Bewohner des Dorfes ein willkommenes Jagdgebiet, womit die Lebensbedingungen der Wenden erf\u00fcllt waren. Sie trieben wenig Ackerbau und gingen daf\u00fcr lieber auf die Jagd und erlegten die Tiere, die sich in den S\u00fcmpfen aufhielten, z.B. Luchs, Wildschweine, Wildenten, Reiher, G\u00e4nse u.a.m. Neben den Tieren des Sumpfwaldes lieferte die Mietzel der Bev\u00f6lkerung reichlich Fische.<!--more--><br \/>\nOtto von Bamberg reiste auf Bitten des Polenherzogs durch die Neumark, um die heidnischen Pommern zu bekehren. Es gelang ihm auch 1124 die ersten Pommern in Pyritz zu taufen. Die Grenzstreitigkeiten zwischen Polen und Pommern waren jedoch damit nicht aus der Welt geschafft.<br \/>\nDurch die Askanier und den Templerritterorden begann die Polnisierung der Neumark. Polen und Pommern suchten in den Deutschen Verb\u00fcndete zu erhalten und verschenkten Teile der Neumark, wo auch unsere engere Heimat dazugeh\u00f6rte. Der Polenherzog schenkte 1232 dem Templerorden 1000 Hufen Land zu beiden Seiten der Mietzel. Zu diesem Gebiet geh\u00f6rte auch Kutzdorf. Ferner erhielten die Templer vom Pommernherzog das Land \u201eDargumig\u201c (Darrmietzel), zwischen Darre und Mietzel gelegen. In den folgenden Jahren wurde der Besitz noch vermehrt und als das Land \u201eK\u00fcstrin\u201c bezeichnet. Im Verein mit den Askaniern haben die Templer unsere Gegend mit deutscher Bev\u00f6lkerung besiedelt. 1254 mu\u00dften die Pommern den n\u00f6rdlichen Teil des Kreises K\u00f6nigsberg an die Templer abtreten. Mit der Zur\u00fccknahme des ehemaligen Deutschtums sollte das Christentum zu gleicher Zeit Eingang finden.<br \/>\nEine alte Sitte, die sich bis in die heutige Zeit erhalten hat und noch auf den altgermanischen G\u00f6tterglauben zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, besteht darin, da\u00df sich in der Nacht zum 1. Mai (Walpurgisnacht) junge Burschen aus dem Dorfe als Hexen verkleiden, um auf Besenstielen, Schaufeln und St\u00f6cken nach dem Blocksberg reiten. Hinter sich ziehen sie allerlei klapperndes Ger\u00e4t, wie z.B. alte T\u00f6pfe, Blechb\u00fcchsen und Ketten. Mit einem Heidenl\u00e4rm reiten sie damit durch die stille Dorfstra\u00dfe. Die T\u00e4tigkeit der \u201eHexen\u201c besteht darin, da\u00df sie 3 Kreuze an T\u00fcren und Tore machen. Ein anderer Anklang an germanische G\u00f6ttersagen ist auch darin zu suchen, da\u00df am Weihnachtsheiligabend in s\u00e4mtlichen Familien des Dorfes Mohnspeise &#8211; \u201eMohnstriezel\u201c genannt, gegessen wird. Ein dritter Beweis hierf\u00fcr, am Ostersonntag gehen junge M\u00e4dchen nach der Mietzel, um \u201eOsterwasser\u201c zu sch\u00f6pfen.<br \/>\nDas Wendentum wurde mehr und mehr zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und fl\u00fcchtete sich in sumpfige Waldgegenden, w\u00e4hrend deutsche Ansiedler mit neuer Kraft Neuland gr\u00fcndeten und die S\u00fcmpfe an der Mietzel urbar machten. Kutzdorf ist in der Mitte des 13. Jahrhunderts ein deutsches Dorf geworden. Es enthielt: ein Frei- oder Lehnschulzengut, 5 Bauerng\u00fcter, 13 Koss\u00e4tenstellen und 7 Freih\u00e4uslerstellen. Bauern hatten sich den Templer angeschlossen, diese fingen nun an, das Land zu besiedeln. Holland, Flandern, der Niederrhein, Westfalen, Sachsen waren jedenfalls die Heimat dieser Ansiedler. Der Ruf Albrecht des B\u00e4ren und der Templer bot ihnen passende Gelegenheit, sich Neuland zu verschaffen. Die Tempelherren suchten nun so schnell wie m\u00f6glich das Land zu besiedeln und die alten D\u00f6rfer auszubauen und neu zu gr\u00fcnden. Das Land sollte bald ertragsf\u00e4hig gemacht werden, und sie wollten dann ihre Einnahmen daraus ziehen. Die Dorfgr\u00fcndung wurde einem Unternehmer \u00fcbertragen. Er bekam ein St\u00fcck Land von 30-70 Hufen (2400- 5600 Morgen). Die Hufen waren verschieden gro\u00df, es gab neum\u00e4rkische, pommersche und soldinische Hufen. (Durchschnittlich 20 Hektar gleich 30 Morgen) Der Unternehmer selbst bekam zun\u00e4chst 4-5 Hufen f\u00fcr sich selbst. Diese waren steuerfrei und sein erbliches Lehen. (Lehnsschulze) Dem Grundherrn mu\u00dfte er das Lehnspferd stellen und selbst als leicht bewaffneter Reiter in den Krieg ziehen. Die Bestimmung \u00fcber die Lage des Dorfes und der H\u00f6fe \u00fcbernahm der Lehnsschulze. Die \u00fcbrige Fl\u00e4che wurde unter die Ansiedler verteilt. Jeder bekam 2-3 Hufe Land, jede Koss\u00e4tenstelle 1 bis 1 \u00bd Hufe. Die Ansiedler erhielten einen Vorschu\u00df an Saatkorn und Geld und blieb 3-4 Jahre frei von abgaben. Wo die Ansiedler erst Wald ausroden mu\u00dften, erhielten sie Hufen von doppelter Gr\u00f6\u00dfe und brauchten 16 Jahre keine Abgaben zahlen. Weil die H\u00f6fe erblich waren, wurden sie von den Ansiedlern ausgiebig bewirtschaftet. An den Ritterorden mu\u00dfte eine Grundgeb\u00fchr entrichtet werden, der Erbzins. Dieser betrug j\u00e4hrlich 1-2 Schilling. Die Bauern mu\u00dften au\u00dferdem der Kirche den Roggenzehnten und den Fleischzehnten abgeben, was f\u00fcr die Bauern eine harte Forderung war. Ferner mu\u00dften die Frauen noch Spinndienste verrichten. Der Lehnschulze war abgabenfrei. Die Ansiedler erhielten eine Verg\u00fcnstigung vom Grundherrn, sie hatten n\u00e4mlich das Recht, ihr Vieh in der Forst zu h\u00fctten und erhielten auch Holz zu Taxpreise. Sp\u00e4ter wurde ihnen dieses Recht wieder genommen und als Entsch\u00e4digung hierf\u00fcr erhielten sie das rings von Wald umgebene so genannte \u201eHohe Feld\u201c. Der Lehnsschulze \u00fcbte die niedere Gerichtsbarkeit im Dorfe aus. Ferner konnte der Lehnsschulze noch einen Krug einrichten, als Entsch\u00e4digung seines Dienstes als Steuererheber. Im Jahre 1540 kam es zwischen dem Bischof Georg Blumenthal und dem Komtur zu Quartschen zu einem Streit wegen des Zehnten. Nach langen Verhandlungen trat der Ordensmeister die Komturei Quartschen nebst Neudamm und die D\u00f6rfer Kutzdorf, Nabern, Kleewitz, Kalenzig, Drewitz, Darrmietzel, Schaumburg, Wilkersdorf, Zorndorf und Zicher an den Markgrafen Johann ab. Jetzt erst konnten sich die Bauern wieder beruhigen, denn das Land hatte jetzt einen festen Herrn. Als Johann von K\u00fcstrin seine Regentschaft antrat, dachten die Bauern jetzt w\u00fcrde ihnen die hohen Abgaben erlassen werden, aber es blieb dabei. Auch mu\u00dften sie weiter ihre Fuhren und dergleichen verrichten. Bei dem Festungsbau in K\u00fcstrin mu\u00dften sie sich t\u00e4glich in seinem Dienst stellen und von fr\u00fch bis in den sp\u00e4ten Abend fuhren f\u00fcr ihn tun. Sie taten es aber gern f\u00fcr ihren Herrn. Er war auch sehr auf das Allgemeinwohl der Bauern bedacht und half die Landwirtschaft f\u00f6rdern. Des \u00d6fteren war er in Neum\u00fchl zur Jagd und man sieht heute noch das Schlo\u00df, das er zu diesem Zweck erbauen lie\u00df.<br \/>\nAuch Friedrich der Gro\u00dfe hat hier eine Erwerbsm\u00f6glichkeit geschaffen, in dem er die Industrie hier f\u00f6rderte. So entstand durch ihn in Eisenhammer und Kutzdorf eine Messerschmiede, eine Lohgerberei, eine Ziegelei, eine \u00d6lm\u00fchle, eine Pulverm\u00fchle, eine Tuchweberei.<br \/>\n1755 wurde es ein Eisenhammerwerk das erst dem Staat geh\u00f6rte und dann in Privatbesitz \u00fcberging. Die Mietzel mit ihrer Kraft wurde in die Dienste des Menschen gestellt und so verdanken die M\u00fchlen und Werke ihren Ursprung kleinen Fl\u00fc\u00dfchen. Auch bietet der Wald den Bewohnern des Ortes reichliche Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten noch in heutiger Zeit. Auch wenn der Boden sandig ist, so werden doch mit viel M\u00fche und Arbeit gute Ernten erzielt. Der gen\u00fcgsame Bauer h\u00e4ngt an seiner Scholle und ist verwachsen mit seiner Heimaterde.<br \/>\n<em>Quelle: Neum\u00e4rkische Zeitung 25. okotober 1927<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name des Dorfes war ehemals wendischen Ursprungs. Es hie\u00df Fr\u00fcher: \u201eSottstorp\u201c, d.h. 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