{"id":1831,"date":"2022-02-19T10:25:08","date_gmt":"2022-02-19T09:25:08","guid":{"rendered":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1831"},"modified":"2022-02-19T10:25:33","modified_gmt":"2022-02-19T09:25:33","slug":"aus-der-geschichte-des-dorfes-gurkow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1831","title":{"rendered":"Aus der Geschichte des Dorfes Gurkow"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ungef\u00e4hr in der Mitte zwischen den St\u00e4dten Landsberg und Driesen liegt an der Ostbahn das Dorf Gurkow im Kreise Friedeberg. Der Ort dehnt sich gr\u00f6\u00dftenteils nach dem Netzebruch, s\u00fcdlich der Bahn aus. Er kann in diesem Jahre auf ein 600j\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken. Im Jahre 1326 wird er zum ersten Male unter den Ortschaften genannt, die durch den Einfall der Polen und Litauer zerst\u00f6rt wurden. Jedenfalls kann das Alter des Dorfes noch weit h\u00f6her angenommen werden. Es wird schon bis zur Einwanderung der Slawen im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. zur\u00fcckdatiert werden m\u00fcssen. Der Name Gurkow ist entstanden aus dem slawischen Gorka, gleich Werder, H\u00f6he. So erkennt man, da\u00df er zu den Randd\u00f6rfern des Netzetales geh\u00f6rt. Der Baltische H\u00f6henzug weicht gleich hinter Zantoch von der Bahn zur\u00fcck und tritt erst bei Altkarbe wieder an sie heran. Die ersten Siedlungen des Ortes sind nicht wie in anderen Orten dem Bachlaufe, hier der Puls, gefolgt. Wahrscheinlich ist, da\u00df der heutige Kirchplatz den \u00e4ltesten Teil des Dorfes getragen hat. Hier erhob sich in grauer Vorzeit ein Werder, der die nach S\u00fcden und Westen liegenden \u00fcberragte. Hier fanden die ersten slawischen Ansiedler auch die nat\u00fcrliche Hufeisenform, nach der sie ihre D\u00f6rfer anlegten, mit der \u00d6ffnung nach dem Wasser.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach einer alten Sage erhob sich in der Ansiedlung ein heidnischer Tempel, der sicherlich auf dem heutigen Kirchplatz gestanden haben mag. Der andere Teil des Dorfes entstand jedenfalls sp\u00e4ter bogenf\u00f6rmig an der sumpfigen M\u00fcndungsstelle der Zanze in der Puls. Beide getrennten Dorfteile waren durch eine Holzbr\u00fccke verbunden. An der \u00dcbergangsstelle entstand der schon im 16 Jahrhundert erw\u00e4hnte Gasthof, der heute im Besitze von Otto Teschner ist. Er f\u00fchrt die Bezeichnung \u201eZum ehrlichen Seemann\u201c, weil der Vorg\u00e4nger des T. lange Jahre in der amerikanischen Marine gedient hat. Eine Reihe niedriger H\u00fcgel zog sich s\u00fcdlich vom Dorfe bis zur Zanze. Unter ihnen besteht heute noch der so genannte Schaliske (hinter dem W\u00e4ldchen). Alle \u00fcbrigen sind im Laufe der Jahrhunderte zur Auff\u00fcllung des Bruchbodens abgetragen worden. Gurkow ist eine slawische Siedlung. die meisten Familiennamen der heutigen Besitzer sind polnischen Ursprungs. Unter ihnen ist der Name \u201eGohlke\u201c wohl als der Urname anzusehen, der heute noch \u00fcberall im Niedernetzbruch vielen Familien eigen ist. Der Name bedeutet \u201eHeidebauer\u201c. Urkundlich steht fest, da\u00df noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts hier polnisch gepredigt wurde. Wie mag damals das Dorf ausgesehen haben? Die heute noch verschiedentlich anzutreffenden Blockh\u00e4user entstammen einer viel sp\u00e4teren Zeit. Im Norden erstreckte sich zur Zeit der Entstehung des Ortes dichter Wald bis zur Siedlung. Im S\u00fcden dagegen dehnte sich das weite Netzethal, das damals zum gr\u00f6\u00dften Teil fast das ganze Jahr hindurch unter Wasser stand und mit dichtem Geb\u00fcsch der Weiden und Erlen bewachsen war, aus. Ein Reichtum von allerlei Wild und Gefl\u00fcgel war im Walde und Moor anzutreffen. Im Jahre 1787 ist am Zanzhammer  der letzte B\u00e4r erlegt worden.<br \/>\nDie Wohnungen der damaligen Bewohner, ihre Kleidung und Nahrung waren gewi\u00df recht bed\u00fcrftig. Der \u201eM\u00f6nch von Lebus\u201c schilderte in seiner Chronik die alte Neumark: \u201eDas polnische Volk war arm und faul. Es bestellte den Boden mit krummen H\u00f6lzern und verstand nur mit K\u00fchen zu ackern. Kein Salz, kein Metall besa\u00df es; auch hatte es keine guten Kleider, ja nicht einmal Schuhe. Nur seine Herden weidete es.\u201c Die Beschreibung wird wohl auch auf die damaligen Bewohner Gurkows gepa\u00dft haben. Sie lungerten in den W\u00e4ldern herum und betrieben den \u00fcber alles geliebten Fischfang, die Bienenzucht und etwas Viehzug und d\u00fcrftigen Ackerbau. Als Fischer waren die Gurkower ganz bedeutend. In der Puls gab es die schmackhaften Forellen. In der Netze und in den stehenden Gew\u00e4ssern des Friedeberger Stadtbruchs fingen sie alle anderen Arten von Fischen.<br \/>\nAber auch als Fischr\u00e4uber waren die Gurkower gef\u00fcrchtet. B. Brenkenhoff noch mu\u00dfte verordnen, \u201ewenn sich ein Gurkower mit Fischerzeug an den von ihm angelegten Karpfenteich in Steinh\u00f6fel sehen lie\u00dfe, so sollte er sogleich als Fischdieb angesehen und in den Turm gelegt werden.\u201c Auch Ungl\u00fccksf\u00e4lle unserer Fischer waren in dem gef\u00e4hrlichen Bruch nicht selten. Daher verordnete der Rat der Stadt Friedeberg: \u201eDa die Bauern in Gurkow alle Vierteljahr ihren Herrn Pfarrer mit einem guten Gericht Fische bedenken sollten; damit derselbe ihnen zu danken und Gott um reiche Benedeiung der Fischgew\u00e4sser und um g\u00f6ttliche Abwendung kl\u00e4glicher Todesf\u00e4lle und Rettung in Leibes- und Lebensgefahr der Fischer \u00f6ffentlich und sonderlich herzinnig anzurufen Ursache haben m\u00f6chte.\u201c Aus dieser Verordnung kann man sehen, welche Bedeutung dem Fischfang beigelegt wurde. Gro\u00dfe Bedeutung hatte auch die Bienenzucht in der damaligen Zeit. Sie wird schon im Friedeberger Privileg 1499 erw\u00e4hnt. In den weiten W\u00e4ldern umher hatten die Imker ihre Bienenst\u00e4nde.  Aus dem Honig bereiteten sie den berauschenden Met, dem sie oft und reichlich zusprachen. Sp\u00e4terhin mu\u00dften die Gurkower einen hohen Honigzins entrichten. Selbst in der Wildenower und der Trebitscher Forst zeidelten sie. Daf\u00fcr mu\u00dften sie dem Kloster Himmelst\u00e4dt und der Stadt Driesen eine Abgabe zahlen. Bei der Viehzucht wurde vor allem das Schwein gez\u00fcchtet. Darauf weisen der \u201eBlutzehnt\u201c und die ziemlich erheblichen Eisbeinlieferungen an K\u00fcsterei und Pfarre hin. Diese Lieferungen reichten noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Aus dieser Zeit hat sich auch noch ein erg\u00f6tzliches Geschichtchen erhalten. Die Eisbeine mu\u00dften in wei\u00dfe T\u00fccher gewickelt werden. Ein B\u00e4uerlein hatte aber f\u00fcr den Pfarrer gar zu d\u00fcnne Eisbeine geliefert und der machte ihm Vorw\u00fcrfe. Da sagte der Bauer l\u00e4chelnd: Herr Pfarrer, dem Toten mu\u00df man doch nur Gutes nachreden.<br \/>\nAm wenigsten wurde der Ackerbau betrieben, denn dem Boden, wenn er nicht Moor war, mangelte die Humusschicht. Es wurde gemeinsam geackert und nur so viel gebaut, als zum Unterhalt des Dorfes diente. Reichte die Ernte nicht aus, nahm man im n\u00e4chsten Jahre ein neues St\u00fcck unter den Hakenpflug, der von Rindern gezogen wurde.<br \/>\nZu Anfang des 14. Jahrhunderts kam das Fischerdorf Gurkow durch den Markgrafen Ludwig an die Stadt Friedeberg. Der alte Lehnsbrief ging verloren und wurde daher am 24. August 1337 erneuert. Aus dem Jahre 1338 wird berichtet, da\u00df der Stadtschulze Ludkin dem Markgrafen Ludwig 3 \u00bd Frusten Brandenburgische Pfennige aus dem Lehen von Gurkow \u00fcberlie\u00df. Dr\u00fcckend war f\u00fcr die Gurkower die Abh\u00e4ngigkeit von der Stadt Friedeberg. Oft begehrten sie auf gegen die Last; es kam sogar zum offenen Landfriedensbruch.<br \/>\nIn den alten Urkunden der Stadt sind eine gro\u00dfe Anzahl schwerer Abgaben, die Gurkow zu leisten hatte, enthalten: Honigzins 20 Taler, Bede 9 Taler, und anderes mehr. Noch schwerer aber waren die pers\u00f6nlichen Leistungen. Jeder Bauer mu\u00dfte zurzeit der Saat und Ernte w\u00f6chentlich dem Rate vier Tage Dienst tuen, bei der Vermeidung der Pf\u00e4ndung. J\u00e4hrlich hatte er das Holz aus dem Stadtforst f\u00fcr Arzt und Archiediakonus anzufahren. Am Wolfslaufen (Treiberdienste) hatte er sich zu beteiligen. Die Polizeigewalt besa\u00df damals der Lehnschulze. (Das alte Lehnschulzengut liegt noch heute am Ostausgang des Dorfes.) Er war den angef\u00fchrten Verpflichtungen nicht unterworfen. Er hatte im Kriegsfalle aber ein Pferd zu stellen. Sp\u00e4ter zahlte er stattdessen dem Rate j\u00e4hrlich 10 Taler. Das Lehnschulzengut bestand bis 1878. Der letzte Schulze hie\u00df Klug. Oft erschienen einzelne Ratsmitglieder, zuweilen auch der gesamte Rat der Stadt im Dorfe. Dann wurde die Glocke gel\u00e4utet, zum Zeichen, da\u00df die Gemeinde sich versammeln sollte, weil der Rat mit ihr reden wollte.<\/p>\n<p><em>Quelle:<\/em> Neum\u00e4rkische Zeitung 14. November 1926\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungef\u00e4hr in der Mitte zwischen den St\u00e4dten Landsberg und Driesen liegt an der Ostbahn das Dorf Gurkow im Kreise Friedeberg. Der Ort dehnt sich gr\u00f6\u00dftenteils nach dem Netzebruch, s\u00fcdlich der Bahn aus. Er kann in diesem Jahre auf ein 600j\u00e4hriges Bestehen zur\u00fcckblicken. 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