{"id":1815,"date":"2022-02-09T17:08:50","date_gmt":"2022-02-09T16:08:50","guid":{"rendered":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1815"},"modified":"2022-02-09T17:09:16","modified_gmt":"2022-02-09T16:09:16","slug":"bruchfahrt-des-vereins-fuer-geschichte-der-neumark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1815","title":{"rendered":"Bruchfahrt des Vereins f\u00fcr Geschichte der Neumark"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die letzte diesj\u00e4hrige Wanderfahrt des Geschichtsvereins galt der Besichtigung der neueren kulturtechnischen Arbeit im Netze- und Warthebruch. An Bord des Dampfers \u201eGl\u00fcckauf\u201c gab Regierungsbaurat Griesert von der Kulturabteilung Landsberg an Hand von Karten eine \u00dcbersicht \u00fcber die geschichtliche Entwicklung und den gegenw\u00e4rtigen Stand der Eindeichungsarbeiten im gesamten Bruchgebiet. Die gewaltige Kolonisationst\u00e4tigkeit Friedrichs des Gro\u00dfen die rund 50 Prozent des Gebietes &#8211; 60 000 Hektar der menschlichen Besiedlung erschlo\u00df, blieb unvollendet.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Deiche, die im Warthebruch bei Schnellwarthe und Sumatra, im Netzebruch bei Schwalmsberg endeten, \u00fcberlie\u00dfen die unteren Teile beider Gebiete nach wie vor dem Hochwasser. Hier mu\u00dfte daher bei der Fortf\u00fchrung der Arbeiten im 19. Jahrhundert begonnen werden. Der Querdeich Sumatra- Sonnenburg wurde erbaut, der Postumkanal verwallt, der rechtsseitige Warthebereich bis Warnick als Sommerdamm weitergef\u00fchrt, der Wall Morrn &#8211; Pollychen angelegt, die Netzem\u00fcndung weiter unterhalb verlegt. Im linken Netzebruch, das Friedrich II. v\u00f6llig ungesch\u00fctzt lie\u00df, kolonisierten adlige Besitzer, insonderheit die Herren von Brand, auf eigene Faust, legten Wege und Gr\u00e4ben an, sch\u00fctteten aber keine Deiche. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts veranla\u00dften neue Hochwasser hier die Bildung eines Deichverbandes, der einen kleinen Deich l\u00e4ngs der Netze, eine so genannte Uferrehne, errichtete. Die schweren Hochwasser der Jahre 1922, 1924, 1926\/27 brachten dem Netzebruche au\u00dferordentliche Sch\u00e4den. Nicht allein wurden die mangelhaft gesch\u00fctzten Fl\u00e4chen, rund 6000 Hektar, v\u00f6llig \u00fcberflutet; die monatelange Abschn\u00fcrung der Geh\u00f6fte bedingte neben schwersten wirtschaftlichen Verlusten auch eine allgemeine Gef\u00e4hrdung der Lebensverh\u00e4ltnisse der Siedler. So ergaben beispielsweise die \u00e4rztlichen Untersuchungen, da\u00df nur 9 Prozent der Schulkinder einwandfrei gesund waren; \u00fcber 50 Prozent litten an Strofulose, 20 Prozent an Rachitis. Hilfe des Staates f\u00fcr die bedrohten Gebiete wurde unbedingt erforderlich, nicht zuletzt auch aus nationalpolitischen Gr\u00fcnden. Die vorzunehmenden Arbeiten fanden ihre Zusammenfassung im Warthe &#8211; Netzebruch &#8211; Gesetz von 1929.<br \/>\nDanach werden die Deiche des Warthebruchs zu Winterdeichen ausgebaut, die 1910 angelegten Sch\u00f6pfwerke Warnick und Herrenwerder durch elektrische Anlagen modernisiert, und durch eine Zahl neuer Sch\u00f6pfwerke erg\u00e4nzt. Im Netzebruch, wo der Kernpunkt der neuen Unternehmungen liegt, wird der Deich von Schwalmsberg bis Zantoch fortgef\u00fchrt und der schon vom Obersten Petri im 18. Jahrhundert geforderte Randkanal l\u00e4ngst der n\u00f6rdlichen H\u00f6hen gegraben; Sch\u00f6pfwerke werden auch hier f\u00fcr k\u00fcnstliche Entw\u00e4sserung sorgen. Auch das linke Ufer der Netze wird eingedeicht, allerdings wegen der unmittelbar am Flu\u00df gelegenen Geh\u00f6fte nur mittels eines Sommerdammes. Im Morrn- Pollychener- Verband mu\u00df die fehlende Vorflut durch ein Sch\u00f6pfwerk ersetzt werden.<br \/>\nIn Zantoch wurde die Fahrt zuerst unterbrochen. Von der Swartbr\u00fccke aus erl\u00e4uterte der freundliche F\u00fchrer den gegenw\u00e4rtigen Stand der Arbeiten. Dann wurden der Randkanal und die Baugrube des Sch\u00f6pfwerkes besichtigt. In Schwalmsberg standen die Teilnehmer auf dem historischen Punkte, wo die friderizianischen Bewallungsarbeiten endeten. Von der Christiansauer F\u00e4hre aus wanderte man sodann durch Lipkeschbruch, betrachtete die b\u00f6sen Spuren der letztwinterlichen Hochwassersch\u00e4den und \u00fcberzeugte sich an Ort und Stelle von den schweren Sorgen der Bruchbewohner. Von der Altgurkowschbrucher F\u00e4hre ging die Fahrt am Nachmittag zur\u00fcck und Warthe aufw\u00e4rts nach Pollychen, wo das bereits fertige neue Sch\u00f6pfwerk einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde. Ein Spaziergang zum nahen Dorfe und eine Betrachtung der Blitzsch\u00e4den am Gotteshause beschlossen die Heimatwanderung, die dank der liebensw\u00fcrdigen und fachkundigen F\u00fchrung durch Regierungsbaurat Griesert zu einem ebenso interessanten wie genu\u00dfreichen Erlebnis wurde. <\/p>\n<p><strong>Quelle: Neum\u00e4rkische Zeitung  25. August 1931<\/strong>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzte diesj\u00e4hrige Wanderfahrt des Geschichtsvereins galt der Besichtigung der neueren kulturtechnischen Arbeit im Netze- und Warthebruch. An Bord des Dampfers \u201eGl\u00fcckauf\u201c gab Regierungsbaurat Griesert von der Kulturabteilung Landsberg an Hand von Karten eine \u00dcbersicht \u00fcber die geschichtliche Entwicklung und den gegenw\u00e4rtigen Stand der Eindeichungsarbeiten im gesamten Bruchgebiet. 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