{"id":1811,"date":"2022-02-03T06:17:12","date_gmt":"2022-02-03T05:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1811"},"modified":"2022-02-03T06:17:12","modified_gmt":"2022-02-03T05:17:12","slug":"dem-gedaechtnis-eines-grossen-landsbergers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/db-brandenburg.de\/?p=1811","title":{"rendered":"Dem Ged\u00e4chtnis eines gro\u00dfen Landsbergers"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<h4>Zum 70. Geburtstages des Malers Robert Wartm\u00fcller<\/h4>\n<p>Landsberg, wie \u00fcberhaupt die Neumark, ist nicht reich an k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeiten. Der Sinn des Ostm\u00e4rkers, dieses mit z\u00e4her Unverdrossenheit aus selbstverwurzelter Heimatliebe heraus immer wieder den bitteren Kampf um eine oft mehr als karge Existenz aufzunehmenden Gesellen war und ist mehr auf die Lebenswirklichkeit eingestellt im Gegensatz zu dem Menschenschlag des S\u00fcdens und Westens, dem gr\u00f6\u00dferer Wohlstand und freundlichere Lebensbedingungen die M\u00f6glichkeit boten, sich auch mit sch\u00f6neren Seiten des Lebens zu besch\u00e4ftigen. So ist es nur zu nat\u00fcrlich, da\u00df der deutsche Osten manchen Staatsmann und Feldherren von Format nur selten dagegen einen bedeutenden K\u00fcnstler hervorgebracht hat.<br \/>\nUmso mehr haben wir Anla\u00df, eines Malers zu gedenken, der heute, am 16. Januar, seinen 70. Geburtstag h\u00e4tte feiern k\u00f6nnen, wenn nicht ein hartes Geschick ihm im bl\u00fchenden Alter von 36 Jahren aus der H\u00f6he seiner Schaffenskraft, am Beginn der Stufenleiter zu gro\u00dfem Ruhm, dahingerafft h\u00e4tte: Robert Wartm\u00fcller.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAm 16. Januar 1859 erblickte er in Landsberg (Warthe) als Sohn eines Angestellten der Ostbahn das Licht der Welt. Der Vater \u00fcbernahm dann sp\u00e4ter eine Landwirtschaft und war zuletzt Besitzer eines Gasthofes in der Richtstra\u00dfe in Landsberg. Jugendeindr\u00fccke dreifacher Art also: Landsbergs Soldatenleben, l\u00e4ndliche Idylle und Gasthofsbetrieb, die sich in des Malers Werken Widerspiegeln. Auf dem Gymnasium schon, das Robert M\u00fcller &#8211; als K\u00fcnstler legte er sich sp\u00e4ter die Bezeichnung Warth- M\u00fcller bei &#8211; nach der Reifepr\u00fcfung 1877 verlie\u00df, trat seine k\u00fcnstlerische Begabung schon so stark zutage, da\u00df er\u2019s durchsetzen konnte, im gleichen Jahr noch die Berliner Akademie der K\u00fcnste zu beziehen, wo er unter Hanke, Thumann, Gussow und Knille eine strenge Ausbildung, zugleich aber auch eine sorgliche F\u00f6rderung seines Talentes erfuhr.<br \/>\nDie Milit\u00e4rdienstzeit f\u00fchrte ihn in die Musenstadt M\u00fcnchen, und s\u00fcddeutsche Gem\u00fctlichkeit und Fr\u00f6hlichkeit zog ihn so in ihren Bann, da\u00df er seinem Dienstjahr noch einige Studienjahre in der sch\u00f6nen Isarstadt folgen lie\u00df und auch sp\u00e4ter zu seinen Offiziers\u00fcbungen gern wieder einmal einige Wochen dort verbrachte. Zwischendurch weilte er ein Jahr auf der Kasseler Akademie unter Konitz.<br \/>\nIn des jungen K\u00fcnstlers Berliner Studienzeit fiel ein Ereignis, das f\u00fcr sein weiteres Leben entscheidend werden sollte. Gelegentlich eines Ferienbesuches im Vaterhaus lernte er die damals vierzehnj\u00e4hrige Luise Lube kennen, das T\u00f6chterlein eines angesehenen Landsberger B\u00e4ckermeisters, der in der Richtstra\u00dfe 29\/30 seinem Gewerbe nachging. Der Eindruck, den sie auf ihn machte, vertiefte sich im Laufe der Jahre mehr und Mehr und schlie\u00dflich steuerte der F\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrige auf Se\u00dfhaftmachung und eigenes Heim hin. Berlin hatte er sich dazu ausersehen. Auf Wenzels Anregung hin trat er 1885 nochmals in das Atelier seines fr\u00fcheren Lehrers Knille ein; doch 1886 schon wurde er, 27j\u00e4hrig als Lehrer an die K\u00f6nigliche Kunstschule in Berlin berufen, die Ausbildungsst\u00e4tte der preu\u00dfischen Zeichenlehrer.<br \/>\nMehr und mehr trat er als Maler der friderizianischen Zeit neben dem ber\u00fchmtesten Illustrator jener Epoche, Adolf v. Menzel, in den Vordergrund. Den ersten gro\u00dfen Erfolg errang ihm 1887 das Genrebild \u201eDer K\u00f6nig \u00fcberall\u201c, da\u00df Friedrich den Gro\u00dfen bei Kartoffeln erntenden Bauern im Oderbruch zeigt (der Alte Fritz hatte bekanntlich die Kartoffel in Preu\u00dfen eingef\u00fchrt). Weitere Gem\u00e4lde aus jener Zeit, teils ernsten, teils heiteren Inhalts, vertieften diesen Erfolg. Es seien hier nur erw\u00e4hnt \u201eDer j\u00fcngste Rekrut\u201c (friderizianische Grenadiere als Einquartierung auf einem Bauernhof darstellend), \u201eEin Liebesmahl\u201c (im Offizierskasino eines Infanterie- Regiments), \u201eNeckerei\u201c (Soldaten des Alten Fritz, mit M\u00e4dchen scherzend), \u201eEine bange Nacht\u201c (Friedrich II. in der Dorfkirche zu Elsnig nach der Schlacht bei Torgau), sowie einige weitere Bilder aus Schlachten des Alten Fritz, so \u201eFritz und Ziethen im Lager von Bunzelwitz\u201c der gro\u00dfe K\u00f6nig beobachtet die \u201eSchlacht bei Ro\u00dfbach\u201c, vor allem aber ein weithin in Deutschland bekanntes, stark verbreitetes Gem\u00e4lde, das heute noch die Nationalgalerie in Berlin ziert: \u201eFriedrich der Gro\u00dfe an der Leiche Schwerins\u201c. Daneben schuf er manche k\u00f6stliche Studie aus dem Leben, manche heitere Idylle aus Stadt und Land, so u.a. die ebenfalls in der Nationalgalerie in Berlin h\u00e4ngende \u201eKleeblatt\u201c und die von uns hier im Bild wiedergegebene \u201eEine gewichtige Person\u201c, deren Original \u00fcbrigens die Reise \u00fcber den gro\u00dfen Teich gemacht hat und sich in amerikanischen Besitz befindet. Besonders bekannt geworden ist auch sein Zyklus dekorativer Wandgem\u00e4lde aus dem Berliner Volksleben, mit dem er Anfang der Neunziger Jahre das Hotel \u201eMonopol\u201c in Berlin ausstattete. Sei nur noch, zur Abrundung dieser gedr\u00e4ngten \u00dcbersicht \u00fcber Wartm\u00fcllers umfangreiches Lebenswerk, der Tatsache erw\u00e4hnt getan, da\u00df er auch als Aquarellist und Landschafter erfolgreich hervorgetreten ist und nach einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in Paris 1892 ein gesuchter Portr\u00e4tist, insbesondere von Damenbildnissen, wurde.<br \/>\nZeit seines Lebens hat er seiner neum\u00e4rkischen Heimat die Treue bewahrt. Die Bande, die ihn durch das Vaterhaus an sie fesselten, wurde noch st\u00e4rker gekn\u00fcpft, als er sich am 8. August 1888 mit Luise Lube verm\u00e4hlte. H\u00e4ufige Besuche im elterlichen und schwiegerelterlichen Hause sahen den rastlos T\u00e4tigen oft drau\u00dfen in der Natur, und stets kehrte er mit reicher Ernte in seinem Skizzenbuche wieder heim. Pausen der Besinnung, der inneren Einkehr kannte er nicht. Immer trieb ihn der k\u00fcnstlerische Impuls &#8211; fast, als sei ihm sein fr\u00fcher, allzu fr\u00fcher Tod gewi\u00df gewesen.<br \/>\nEs ist das gleiche Bild, wie wir es bei einem der Gr\u00f6\u00dften in der Musik erlebten: bei Franz Schubert, der bei seinem fr\u00fchen Tod der Menschheit ein volles Lebenswerk hinterlie\u00df. Und doch nicht das gleiche Bild: Schubert blieb der \u00e4u\u00dfere Erfolg die Anerkennung seiner Zeit, versagt. Warthem\u00fcller dagegen geh\u00f6rte zu den \u201eArrivierten\u201c.  Der Siebenundzwanzigj\u00e4hrige wurde Lehrer an der K\u00f6niglichen Kunstschule in Berlin. Die Nationalgalerie erwarb Bilder von ihm, Kaiser Wilhelm I. zeichnete ihn in gleicher Weise aus. Und 1895 wurde er zum Professor an der K\u00f6niglichen Akademie der K\u00fcnste ernannt.<br \/>\n\u201eDoch, wen die G\u00f6tter lieben, der stirbt jung!\u201c Anfang Juni 1895 weilte Warthm\u00fcller in Pasewalk, wo das K\u00fcrassier &#8211; Regiment \u201eK\u00f6nigin\u201c Nr. 2 sein 150j\u00e4hriges Bestehen feierlich beging. Gemeinschaftlich mit seinem neum\u00e4rkischen Dichterfreund, dem aus Driesen stammenden Lyriker und Dramatiker Dr. Otto Franz Gensichen, hatte er ein Festspiel zu diesem Tage einstudiert, das u.a. auch Kaiser Wilhelm II. so sehr gefiel, da\u00df er Warthm\u00fcller zu einem friderizianischen Fest nach Sanssouci einlud. Aber weder diese Einladung noch auch dem ehrenvollen Ruf an die Berliner Akademie der K\u00fcnste sollte Warthm\u00fcller Folge leisten k\u00f6nnen. Von Pasewalk heimgekehrt, legte es sich mit einer Blinddarmentz\u00fcndung hin, von der er nicht mehr aufstand. Am 25. Juni 1895 ging der Sechsunddrei\u00dfigj\u00e4hrige heim, eine trauernde Witwe und vier Kinder umstanden sein Sterbelager.<br \/>\nAus der Vollkraft seines Schaffens mu\u00dfte er dahin, eine schmerzliche L\u00fccke nicht nur im Familienkreise hinterlassend. Eine Ausstellung kurz nach seinem Tode vereinte sein gesamtes Schaffen und legte noch einmal beredtes Zeugnis ab von der Tiefe der Pers\u00f6nlichkeit des Heimgegangenen und der ungeheuren St\u00e4rke seiner k\u00fcnstlerischen Produktivit\u00e4t. Zeigte gleichzeitig aber auch aufs deutlichste, welch schweren Verlust f\u00fcr das deutsche Kunstleben sein fr\u00fcher Tod bedeutete.<br \/>\nDem Lebenden w\u00e4ren zu seinem heutigen 70. Geburtstag sicherlich reiche Ehrungen auch aus seiner Vaterstadt Landsberg zuteilgeworden, die stolz auf diesen ihren gro\u00dfen Sohn sein darf. Des Toten, nur in seinen Werken noch unter uns weilenden Wartm\u00fcller heute zu gedenken, war daher Ehrenpflicht!    -W. Fbg.-<\/p>\n<p><em>Quelle: Neum\u00e4rkische Zeitung 16. Januar 1929<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 70. Geburtstages des Malers Robert Wartm\u00fcller Landsberg, wie \u00fcberhaupt die Neumark, ist nicht reich an k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeiten. 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